Die Fontanelle

Die offene Schädelnaht haben die meisten Welpen. Ein Zuchttier hat keine.

Wer sich über Chihuahuas informiert, stößt früher oder später auf die Fontanelle und findet zwei Lager: Für die einen ist sie ein Skandal, für die anderen eine Nebensache. Tatsächlich hängt alles am Alter des Hundes: Beim Welpen ist die offene Schädelnaht der Normalfall. Beim erwachsenen Zuchttier ist sie ein Ausschlussgrund.

Ein erwachsener Chihuahua liegt entspannt auf einer weichen hellen Decke.
Ein erwachsener Hund mit ruhigem, ausgewogenem Kopf. Was am Schädel geschlossen ist, sieht man ihm nicht an.

Was die Fontanelle ist

Der Schädel eines Welpen besteht aus mehreren Knochenplatten, die zusammenwachsen müssen. Dort, wo sie noch nicht aneinanderstoßen, bleibt eine weiche Stelle: die Fontanelle. Beim Menschen kennt das jeder, der schon einmal ein Neugeborenes gehalten hat.

Bei den meisten Hunden schließt sie sich in den ersten Lebensmonaten. Bei Zwergrassen tut sie das nicht immer. Und beim Chihuahua ist das so verbreitet, dass es lange als Rassemerkmal galt.

80–90 %

der Chihuahuas kommen mit einer noch nicht geschlossenen Schädelöffnung zur Welt. Eine offene Fontanelle ist also nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall, und für sich genommen kein Grund zur Sorge und kein Hinweis auf einen schlechten Züchter.

Beim Zuchttier gilt: geschlossen

In Österreich muss die Schädelnaht bei einem Zuchttier geschlossen sein. Das ist keine Auslegungsfrage und keine Frage der Größe: Jeder zuchttaugliche Chihuahua hat per Tastbefund eine geschlossene Fontanelle. Ist sie beim erwachsenen Hund nicht zu, gibt es keine Zuchttauglichkeit — ausnahmslos.

Der medizinische Hintergrund: Eine Öffnung lässt einen Teil des Gehirns ungeschützt, schon ein Stoß kann folgenschwer sein, und sie tritt gehäuft dort auf, wo auch andere Befunde am Schädel vorliegen.

Beurteilt wird das am erwachsenen Tier, bevor es in die Zucht geht — nicht am Welpen, bei dem sich die Naht ohnehin noch schließen kann.

Für den Hund selbst ist das kein Urteil. Eine kleine offene Fontanelle beim erwachsenen Tier ist kein Beinbruch. Sie macht ihn nicht krank und nicht weniger liebenswert. Das Zuchtverbot soll nur verhindern, dass offene Fontanellen in der Rasse überhandnehmen.

Zwei Hände halten behutsam den Kopf eines Chihuahuas, eine Hand liegt oben auf dem Schädel.
Die Stelle ist mit den Fingern zu erfühlen. Beurteilen kann sie nur, wer weiß, was noch im Rahmen liegt.
Tierärztliche Dokumentationsaufnahme von oben: Eine behandschuhte Hand teilt das Fell am Kopf eines ruhig liegenden Chihuahuas und macht eine große offene Stelle am Schädeldach sichtbar.
Tierärztliche Dokumentationsaufnahme an einem erwachsenen Hund. Bei einem Welpen wäre eine offene Naht normal. Bei diesem Tier bedeutet sie: kein Zuchttier.

Erklärendes Beispiel

Warum das hier steht

Weil sich der Unterschied in Worten schlecht fassen lässt. Am Tier ist er deutlich zu sehen und mit den Fingern zu ertasten. Und genau so wird er auch befundet.

Diese Seite erklärt ein Merkmal; sie bewirbt keinen Hund und keinen Typ. Aus demselben Grund steht dieses Bild hier unten und nicht oben: Ein Bild ohne seinen Text erzählt schnell etwas anderes, als gemeint war.

Beim Welpen sehen Sie einen Zwischenstand. Bei den Eltern sehen Sie das Ergebnis.

Was ZEUS an den Elterntieren festhält

ZEUS ist ein Qualzucht-Präventionsprogramm für Züchterinnen und Züchter. Zuerst werden die Elterntiere untersucht und erhalten, jedes für sich, ihre Zuchttauglichkeit. Dann wird geprüft, ob diese beiden Tiere miteinander verpaart werden dürfen. Erst wenn beides zusammenpasst, bekommt der Welpe sein Qualzuchtpräventions­zertifikat.

Der Kopf gehört zu den Punkten, die dabei beurteilt werden — von einer Tierärztin oder einem Tierarzt, schriftlich befundet, nicht nach Augenmaß am Küchentisch. Zu jedem Zertifikat gehört ein Kontrollcode, den Sie auf der ZEUS-Website eintippen. Für Sie kostenlos.

Beim Welpen ist sie normal. Beim Zuchttier gibt es sie nicht.

Zertifikat prüfen
ZEUS-Siegel Zuchttauglich — Approved for Breeding
Bekommt der erwachsene Hund, dessen Schädelnaht geschlossen befundet wurde — nicht der Welpe. Ohne dieses Siegel bei Mutter und Vater ist ein qualzuchtfreies Zertifikat für den Wurf gar nicht möglich.

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Beim Welpen ist die offene Schädelnaht der Normalfall, beim Zuchttier ein Ausschlussgrund. Dazwischen liegt alles, worüber gestritten wird — geben Sie diese Seite weiter, wenn Sie jemanden kennen, der sich gerade über Chihuahuas informiert.